Russische Hacker leiden nach der Bundestagswahl an Burnout

Eine Fahne mit drei Farben (Pixabay.com - CC0)
Eine Fahne mit drei Farben (Pixabay.com - CC0)

Moskau. Immer mehr russische Hacker melden sich zur Wort, denn viele leiden am Burnout-Syndrom
Grund dafür ist die zurückliegende Bundestagswahl. Die Hacker sollten die Wahl mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln beeinflussen und so die pro russischen Kräfte unterstützen. Die Operation mit dem Namen "Rush B" (B stand hier für Berlin) begann im Jahre 2015.
Im Zuge des sogenannten "Bundestags-Hack" wurden rund 16 Gigabyte an Daten erbeutet. Dann begann die eigentliche Arbeit der EDV-Profis, denn das Material musste nach belastenden Informationen durchsucht werden. Hierbei wurden Millionen von Seiten, Protokollen, E-Mails und Berichten durchsucht.

Dimitri M., ehemaliger Angestellter des geheimen Hacking-Corps "Der rote Zar" berichtet uns, dass diese Arbeit so enorm langweilig war, dass die Fluktuation in der Abteilung sprunghaft anstieg.
"Haben sie sich schon einmal  zwölf Stunden lang  und sechs Tage am Stück durch Sitzungsprotokolle des deutschen Bundestages quälen müssen, um belastendes Material zu finden?", so Dimitri tief traurig.
Ein Hacker wurde sogar damit beauftragt, das Protokoll der Reinigungskräfte des Bundestages durchzulesen und auszuwerten. Dabei wurde aber nur ermittelt, wer die schwächste Blase hat,  wer nach dem Geschäft keine 50ct liegen lässt  und das Kokainflecken schwer von Seidenhandtüchern zu entfernen ist. Zu wenig, um den Wahlkampf zu beeinflussen.
"Alle hatten sich auf pikante Details von Sarah Wagenknecht gefreut und alles was wir gefunden haben waren ständige Nachfragen zu Sitzplatzreservierungen in einem Hummer-Restaurant". 

Auch private E-Mails waren dabei

Er hat Protokolle aus dem Bundestag gelesen, die er nie wieder vergessen kann (Pixabay.com - CC0)
Er hat Protokolle aus dem Bundestag gelesen, die er nie wieder vergessen kann (Pixabay.com - CC0)

Die vorgegebene Marschroute war klar. Von Russland favorisierte Politiker sollten in der Bundestagswahl 2017 auf russische Schützenhilfe zählen können. Man hätte sich gerne eine Mischung aus Sarah Wagenknecht, Beatrix von Storch und ein bisschen Sigmar Gabriel als Bundeskanzlerin gewünscht. Da dies so nicht möglich war, sollten die pro russischen Kräfte während der Wahl unterstützt werden. 

Und hier begann das Drama. Hacker wie Dimitri mussten oft 12 Stunden am Stück Protokolle von Kontrollausschüssen lesen und nach Informationen durchsuchen. Auch private E-Mails waren dabei. 
"Eine Politikerin stritt sich mit ihrer Kinderbetreuerin geschlagene vier Wochen über die optimale vegane Ernährung für ihr Baby und ihre Katze", erzählt und Dimitri. "Wen wollen sie denn mit solchen Informationen kompromittieren?".
Und so ging es die ganze Zeit weiter. "Da gab es ein Politiker, der sich sieben Monate mit dem Hausmeisterservice des Bundestages gestritten hat, wie er zwei Tonnen Leberwurst sachgerecht lagern kann". Der selbe Politiker hat sich anschließend dafür eingesetzt, dass die gesetzlichen Bestimmungen gelockert werden, um den Fleischanteil in Leberwurst zu senken.  

In den meisten E-Mails ging es um solche Lobbyarbeit und Beeinflussung von Politikern. Da dies aber so häufig vorkam, nahmen Dimitri und seine Kollegen an, dass Lobbyismus in Deutschland nicht nur geduldet, sondern aktiv gefördert wird. 

Und so mussten die jungen Hacker jeden Tag die wohl langweiligsten Daten der letzten Jahrzehnten nach Informationen durchsuchen, die der russische Geheimdienst oder wenigstens die Abteilung in St. Petersburg verwenden konnten. Jeden Tag, ohne Pause, denn sie hatten diese 16 Gigabyte an Daten.

"Nur einmal haben wir etwas gefunden. Da hat ein Politiker Bilder von seinem 'sie wissen schon'  an jemanden versendet. Später haben wir heraus gefunden, dass es nur sein eigenes Fakeprofil bei Facebook war", so Dimitri. 

Dimitri und seine Kollegen haben Dinge gesehen, die sie nicht mehr vergessen können. Viele nehmen nun Drogen oder sind alkoholabhängig. Von Bundestagswahlen wollen sie nie wieder etwas hören oder lesen.
(nic)