92 Jahre alt und feste Größe im Darknet. Festnahme!

Als die Polizisten im Morgengrauen das Altersheim stürmten, staunten sie nicht schlecht. Zwischen Versandkartons und Tonnen illegaler Waren fanden sie Edda G., Betreiberin eines der größten Marketplaces im Darknet, als sie gerade eine wilde Party mit Bewohnern des Seniorenstifts feierte.
"Seit ihr die Stripper, die ich bestellt habe?", fragte Edda, als das MEK anrückte, um die Dame nach fast zwei Jahren intensiver und internationaler Fahndung fest zu nehmen.

 

Rückblick: Anfang August 2012 überlegte Edda G., wie sie ihre Strickwaren besser an den Mann und die Frau bringen konnte, um sich ihre schmale Rente etwas aufzubessern. Da sie auf Ebay bereits wegen mehrfachem Verstoß gegen das BtMG gesperrt war, viel ihre Wahl auf das Darknet.

Sie hatte die Grundlagen in einem Computerkurs im Altersheim gelernt. Neben den Kursinhalten "Wie man einen PC an und aus macht" und "Wie erstelle ich ein Word Dokument", wurde dort auch ein Kurs mit dem Thema "Ab ins Darknet! Wie ich Tails auf einem USB Stick installiere und .onion URLs aufrufe" angeboten.
Laut den Mitbewohnern von Edda war sie von Anfang an sehr aufmerksam dabei. Nachdem sie den Kurs absolvierte, startete sie einen Marktplatz für "Strickwaren und anderes Gedöns" im Darknet, in welchem sie sich  schon bald wohlfühlte. Und dieses "Gedöns" hatte es in sich, denn schnell bot sie dort nicht mehr nur handgestrickte Pullover und Socken an. Ihr Marktplatz mit dem Namen "Knit Road" wuchs schnell und Edda wusste nicht nur wie man strickt, sondern kannte sich als gelernte Chemielaborantin auch mit anderen Dingen gut aus.

Wie uns Bewohner des Altenheims bestätigten, begann Edda recht schnell ihr Angebot auszubauen. Sie hat eine Möglichkeit gefunden, begehrte Tonika wie "Doppelherz" und "Klosterfrau Melissengeist" chemisch so zu modifizieren, dass ein langanhaltender rauschartiger Zustand die Folge war. Und damit traf sie den Nerv vieler älterer Menschen, die auf der Suche nach einem neuen "Kick" waren.
Edda gelang es sogar ein Herztonikum in kristalline Form zu bringen. Geraucht wurde es über die "Edda Pipe", eine von Edda handgetöpferte Crackpfeife. 

 

Machte die Knit Road in ihren ersten Jahren 35 Euro Umsatz, waren es 2014 bereits 56.000 Euro und im Jahre darauf schon 5,2 Millionen Euro. Edda musste für die Logistik neue Zimmer im Altenheim anmieten. Sie verzichtete auf die heimansässige Altenpflege und ließ sich von durchtrainierten Profi-Strippern pflegen, wie uns die Heimleitung bestätigte. Ihr plötzlicher Reichtum blieb nicht unbemerkt. So hat sich Edda von der Edelautomarke "Koenigsegg" einen hochleistungsfähigen Rollator anfertigen lassen. Anstatt einen kleinen Brunnen mit Pinguinen im Eingangsbereich fanden die Anwohner einen riesigen Pool mit einer Bar vor, an dem sich Edda oft von muskulösen Männern massieren ließ.
Das kochen der Tonika und das Stricken hatte sie zu dieser Zeit schon längst an ihre Mitbewohner gegen ein geringes Entgelt ausgelagert. Nachbarn von Edda sprachen von regelrechten "Sweatshops", die jedoch barrierefrei gestaltet waren.

Die Behörden wurden auf Edda aufmerksam, als sie versucht hat, ein Produktions- und Vertriebsnetz in Südamerika aufzubauen. Den Polizeistellen von Venezuela, Ecuador und Panama war sie als "La abuela desconsiderada" (die rücksichtlose Oma) bekannt. Ab diesem Zeitpunkt begannen sich auch die deutschen Behörden für sie zu interessieren, denn sie mietete für den Warentransport zwischen den Kontinenten sechs Containerschiffe an. Wenn diese Order aus einem Altenheim kommt, erregt das Verdacht.

 

Zum endgültigen Verhängnis wurden Edda unter anderem die Panama Papers, eine CD mit Steuerdaten aus der Schweiz und ihr Fußballclub "1. FC Real Edda United", den sie in Liechtenstein gegründet hatte um Steuern am deutschen Fiskus vorbei zu schleusen. Denn Edda hatte Ende 2016 bereits einen Monatsumsatz von 38 Millionen Euro erreicht. Um dieses Geld zu waschen, hatte sie überall auf der Welt Briefkastenfirmen gegründet und sogar eine eigene Offshore-Bank (Edda's Piggybank Ltd.).

Zur Zeit wühlen sich hunderte von Zoll- und Finanzbeamte durch die Detail des riesigen Netzwerkes, das eine Oma gegründet hatte, um sich etwas dazu zu verdienen.
(sed)